1840er – Militär und Familie – Die Armee und ihr Herz (1)

In dieser Serie über die k. k. Armee der Habsburger wird über das Herz der Armee, das Regiment, seine Offiziere und ihre – selten vorhandenen – Familien berichtet. Zu Beginn werden die Rahmenbedingungen dargestellt, später geht es auch um den Krieg der Habsburger gegen ihre Untertanen: 1848 gegen die Bevölkerung von Prag, Krakau und Wien sowie 1848/49 gegen die Ungarn.

Das Gewaltmonopol – (Nur) dem Kaiser verpflichtet

Schoené_1838 Handbuch-Kriegsvorfallenheiten

Michael Schoené, Militärisches Handbuch zur schnellen Orientierung in allen Kriegsvorfallenheiten, Wien 1838. Historiö P268.

Das Militär mit dem Heer und den operierenden Armeen war wesentliches Element des dynastisch staatlichen Gewaltmonopols und Ergebnis einer langwierigen Verstaatlichung von Kriegshandwerk, Kriegskunst und Kriegertum. Mit der Etablierung des staatlichen Gewaltmonopols  dienten die Truppen nicht nur zur Kriegsführung gegen andere Streitmächte, sondern immer mehr auch der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und Sicherheit. Als kaiserlich(-[und-]königlich)e Armee stellten sie die „Wehrkraft“ der Monarchie dar, den „bewaffneten Arm des Kaisers“. Die Armee machte männliche Untertanen zu Kriegsmännern, und diese trugen „des Kaisers Rock“ und nicht umgekehrt der Kaiser „ihre“ Uniform, auch wenn er sich oft und gerne in Uniform zeigte.[1] Und gerade dieses Gewaltmonopol wurde durch österreichische und vor allem durch die Wiener liberalen Bürger in Frage gestellt. Dies ging so weit, dass die Lesevereinspartei am 4. März 1848 die Bewaffnung der Bürgerschaft und die Beschneidung der weitreichenden Vollmachten der Polizei forderte.[2]

Bei allen Mängeln, die das Heerwesen 1848/49 aufwies, es waren doch allein Teile dieser bewaffneten Macht gewesen, die die konservative Reaktion im Kampf gegen die Revolution gestützt und das schon marode monarchische Prinzip vor einer konstitutionellen Neuordnung, die vor allem vom Hochadel schroff abgelehnt wurde, bewahrt hatten. Die militärische Organisationsform prägte in der Folge die Maximen des neoabsolutistischen  Staates [nach 1848], und militärische Ordnung wurde für die nächsten Jahre zum Modell politischer Ordnung schlechthin. Heerführer wie Alfred Windisch-Grätz, Josip Jelačić und vor allem Johann Joseph Wenzel Radetzky verkörperten diesen 1848 und 1849 geleisteten militärischen Schutz der Habsburger-Dynastie und damit des Kaisertums Österreich.[3] Um sie wurde in der Folge ein dynastischer Heldenkult betrieben, in dessen Mittelpunkt Radetzky stand.[4]

Die Armee sollte offiziell „unbeeinflusst von politischen Ideen ein Instrument des monarchischen Prinzips“ bleiben.[5]

Die Armee – Gliederung und Zahlen

Die Truppenkommandos der k. k. Armee waren um 1848 in vier Armeekommanden (Wien, Verona, Pest, Lemberg) zwei Generalkommanden (Agram/Zagreb, Zara/Zadar), die dem Banus unterstanden und in keine der vier Armeen eingegliedert waren), 14 Armeekorpskommanden  und 17 Landesmilitärkommanden unterteilt. Die Armee umfasste 25 [Truppen- ] Divisionskommanden und 135 Batterien mit 1.140 Geschützen. Der Friedensstand betrug 420.000, der Kriegsstand 630.000 Mann.[7] Die [Truppen-]Division hatte einen Feldmarschallleutnant als Kommandanten und war üblicherweise in zwei Brigaden mit jeweils einem Generalmajor an der Spitze und die Brigade in zwei Regimenter untergliedert.

Fortsetzung folgt

WJG

[1] Vgl. Peter Melichar / Alexander Mejstrik, Die bewaffnete Macht, in: Ulrike Harmat u. a., Hg., Die Habsburgermonarchie 1848 – 1918, Soziale Strukturen, Bd. 9, Teilbd. 1, Von der feudal-agrarischen zur bürgerlich-industriellen Gesellschaft, 2. Von der Stände- zur Klassengesellschaft. 12 Bde., Wien 2010, 1263–1326, hier 1263.

[2] Vgl. Judson, Wien, 40 f.

[3] Vgl. Melichar / Mejstrik, Macht, 1271.

[4] Vgl. Laurence Cole, Vom Glanz der Montur. Zum dynastischen Kult der Habsburger und seiner Vermittlung durch militärische Vorbilder im 19. Jahrhundert. Ein Bericht über ‚work in progress’, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 7/4 (1996), 577–591, hier 577, 587-589.

[5] Melichar / Mejstrik, Macht, 1319 f.

[6]

[7] Vgl. Melichar / Mejstrik, Macht, 1271.

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